Gute Vorbereitung ist alles - Erfahrungsbericht eines Hundeführers
Vielseitigkeitsprüfung ohne Spurlaut
der Sektion Gäu-Schwarzwald am 24.10.2009
Im DWH-Terminkalender für Jagdgebrauchsprüfungen ist für den 24. Oktober 2009 eine Vielseitigkeitsprüfung ohne Spurlaut ausgeschrieben, die von der Sektion Gäu-Schwarzwald ausgerichtet wird. Da im Nordschwarzwald keine Hasenreviere zur Verfügung stehen, wurde diese Prüfungsform gewählt, wobei die Stöberarbeit in der Bewertung anspruchsÂvoller ist und der Dachshund eine Spurlautprüfung bereits bestanden haben muss.
Vor zwei Jahren hatte meine Kurzhaarteckelhündin Bora von der Thomasquelle beim Gehorsam - konkret beim Ablegen – mehr Interesse am Stöbern und ist auf und davon; nicht bestanden!. Im vergangenen Jahr war Bora wegen "Welpenfreuden" verhindert. Da Bora bereits einige jagdliche Prüfungen und Leistungszeichen erreicht hat, fehlt ihr noch die "Meisterprüfung", die Vielseitigkeitsprüfung.
Unter dem Motto "80 % des Erfolges ist die gute Vorbereitung" wurde nun eifrig geübt. In der Sektion Gäu-Schwarzwald hat sich ein Team – die Herren Alfons Winzenhörlein, Erich Lörcher, Wolfgang Lüders und Frau Hilde Kirn –gefunden, die mit viel Kompetenz und Engagement uns Hundeführer samt unseren Teckeln auf die Prüfung vorbereitet haben. Seit September wurde jeden Mittwoch in den Revieren in Mötzingen, Nagold oder Rötenbach mit den Hunden auf Schweißfährten gearbeitet; übriges vielen Dank an die Revierinhaber. Auch wurde das Stöbern geübt und die Gehorsamsfächer waren dann Übungsstandard. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das Team, ihr ward Spitze!
Das war natürlich nicht genug. Im eigenen Revier wurden Übungsfährten angelegt und wöchentlich wurde auf einer Schweißfährte mit Bora gearbeitet. Der Spruch "Schweißarbeit ist auch Fleißarbeit" ist sehr zutreffend. Während der Weinlese konnte ich oft im Wengert wegen der Knallerei ohne meine Flinte günstig üben. Am 15.10.2009 war dann große Generalprobe, die mit meiner Bora "voll in die Hose ging". Die Schweißarbeit war eigentlich gut, jedoch bei den Gehorsamsfächern blieb sie beim Ablegen nicht liegen und beim Treiben am Stand winselte sie wiederholt und ist sogar an mir hochgesprungen. Ich erinnerte mich und dachte "Das hast du doch alles schon erlebt". In der letzen Woche vor der Prüfung habe ich mit dem bisher nicht verwendeten Befehl "Down" versucht den nötigen Gehorsam beizubringen.
Am 24.10.2009 war dann der große Prüfungstag. Ich war bereits kurz nach 7.00 Uhr in Mötzingen und konnte bei noch klarem Himmel einen schönen Sonnenaufgang erleben und dabei Bora wieder an die "Schwarzwaldgerüche" gewöhnen. Um 8.00 Uhr waren alle Beteiligten im Hundevereinshaus Mötzingen versammelt und wurden zunächst mit einem fürstlichen Frühstück verköstigt. Die Prüfung wurde vom Prüfungsleiter Alfons Winzenhörlein eröffnet und das Richterteam Oskar Brugger als Richterobmann sowie Gerd Sarow und Erich Lörcher vorgestellt. Nach der Auslosung, ich hatte die Nummer 6 gewählt, ging ins Revier in Nagold, um die erste Prüfungsdisziplin, den Gehorsam zu prüfen. Der Richter ermahnte nach zwei Hunden die Hundeführer, nicht um die Stangen = Bäume zu rennen, sondern praxisnah ruhig und langsam zu pirschen. Gesagt getan, es funktionierte mit meiner Bora einwandfrei. Als Nächstes wurde das "Treiben am Stand" geprüft; ich erinnerte mich an die Generalprobe: hoffentlich bleibt Bora liegen und gibt keinen Laut. Siehe da, sie gab keinen Ton von sich und blieb brav an meinen Füßen liegen. Auch das Ablegen ließ mich fünf Minuten bangen; keine Probleme.
Dann begann das stundenlange Warten auf die Schweißarbeit. Um 13.15 Uhr war ich an der Reihe. Alle anderen Hundegespanne haben mit Erfolg ihre Schweißarbeit erledigt. Mit der entsprechenden Aufforderung des Richterteams, auch die Schweißarbeit zu meistern, gingen Bora und ich ans Werk. Bis zum ersten Wundbett arbeitete Bora problemlos; dann direkt am nach dem Wundbett lief Bora auf einem Grasweg von der Fährte weg und als erfahrener Hundeführer hätte ich merken müssen, dass wir auf der falschen Fährte sind. Die Fährte führte nun an Hangkante entlang und inzwischen war Wind aufgekommen. Die Düfte waren nun für Bora immer wieder interessanter als die Schweißfährte. Mit einem weiteren Abruf konnten wir das zweite Wundbett finden. Inzwischen sehr ins Schwitzen gekommen war dann die Strecke bis zum Stück kein Problem und Gerd Sarow konnte auch für uns "Bock tot" blasen.
Nach einer Autotour ins Revier Rötenbach in der Gemarkung Bad Teinach-Zavelstein wurde der letzte Teil der Prüfung, die Waldsuche, in Angriff genommen. Die Hunde konnten jetzt ihr Stöberverhalten zeigen. Die erste Gruppe mit drei Hundegespannen konnte sehr gut ihr Können zeigen und hatte auch das Glück, in den Waldparzellen auf Wild zu treffen. In meiner Gruppe verlief zunächst die Waldsuche nicht erfolgreich, denn die beiden Teckel vor mir wollten nicht weit stöbern. Meine Bora zeigte dann eine ausgezeichnete Stöberarbeit, ist jedoch auf keine Wildfährte gekommen. In Anbetracht der nahenden Dunkelarbeit habe ich auf Anraten des Richterobmanns Oskar Brugger auf eine weitere Durchsuchung einer Parzelle verzichtet, denn eine Verbesserung im Preis war wegen der Schweißarbeit nicht möglich. Die Hauptsache: Prüfung bestanden. Immerhin konnte ein Teckel noch Wild finden und somit die Prüfung bestehen. Ein Teckel wollte sich nicht von seinem Herrchen lösen und zeigte deshalb keine ausreichende Leistung.
Die Prüfung im Wald war nun abgeschlossen und es ging wieder zurück ins Hundeheim von Mötzingen. Dort erwartete uns ein schmackhaftes Buffet mit Rinderrouladen und allerlei Beilagen. Nach dieser Stärkung machte sich das Richterteam an die Arbeit, um die Ergebnisse zusammen zu tragen und die umfangreichen Papiere auszufüllen. Drei Teckel zeigten hervorragende Leistungen und wurden mit dem 1. Preis belohnt. Ein Teckel war im 2. Preis und immerhin meine Bora im 3. Preis. Mein großes Ziel, die Prüfung zu bestehen, hatte ich erreicht. Nach der Siegerehrung konnten die Teilnehmer auf das Wohl des Tagessiegers "Bessy vom Hölzertal" mit seinem Führer Wolfgang Kramer aus Sindelfingen anstoßen.
Zum Schluss möchte ich mich bei dem Richterteam, beim Prüfungsleiter Alfons Winzenhörlein und seinen Helfern, den Revierinhabern, der Wirtin im Vereinshaus und besonders allen, die im Vorfeld bei den Übungstagen mitgeholfen haben ganz herzlich bedanken.
Es war ein für mich ein erfolgreicher Tag und ein wunderschönes Erlebnis. Der große Aufwand hat sich gelohnt.
Günter Lemanczyk, Bad Rappenau Foto: Erich Lörcher, Bad Teinach |