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Freitag, 21.08.2009

Erschwerte Begleithundeprüfung in Mötzingen

Am Samstag, dem 22. August 2009 fand in Mötzingen eine erschwerte Begleithundeprüfung mit allen Prüfungsteilen, die BHPS-G, statt. Gemeldet waren sieben Gespanne, darunter sechs Teckel (3 RH-T, 2 RH-Zw, 1 KH-Zw) und ein Wälderdackel - ein regionaler Brackenschlag, dem Kurzhaarteckel ähnlich, jedoch hochläufiger und größer.

Die Prüfung begann pünktlich um 8 Uhr mit einem reichhaltigen und leckeren Frühstücksbuffet im Vereinheims des Vereins der Hundefreunde Mötzingen, dem Standort der Sektion. Nach Begrüßung der Teilnehmer durch den Prüfungsleiter Alfons Winzenhörlein und die Richterin Ursula Griesbach ging es, nachdem die letze Semmel gegessen, der letzte Kaffee getrunken und die letzte Frühstückszigarette zur Beruhigung der Nerven angespannter Hundeführer geraucht war, zum ersten Teil der BHPS hinaus auf das Gelände vor dem Vereinsheim. 

Relativ schnell war das Pflichtprogramm der BHPS-1 (Warten im Auto, Verhalten in der Menschengruppe, Gehorsam aus der Bewegung) absolviert und alle Teckel haben - zum Teil zur Überraschung ihrer Führer - eine nahezu perfekte Leistung gezeigt.

Dann kam das freiwillige Fach "Vorausschicken mit Halt". Dieses Fach ist freiwillig, hat aber seine Tücken: Der Hund wird geschnallt und vorausgeschickt und bei einer Entfernung von mindestens 30 Metern zum Halt gebracht. Anschließend wird der Hund auf Weisung des Richters abgeholt. Was nun aber so einfach klingt, ist gar nicht immer so einfach. Mal will der Hund sich nicht vom Führer lösen - mal muss man zwei-, drei- oder mehrmals Halt rufen, bevor der Vierbeiner zu halten geruht - und wenn der Hund dann zum Halt gebracht ist, kommt es vor, dass er in Liegestellung langsam zum Hundeführer hinrobbt und sich so von seinem Platz bewegt. Fehler bedeuten Punktabzug, was nachher die Preisklasse drücken kann, denn bereits ein Dreier in diesem freiwilligen Fach bedeutet den 2. Preis bei der BHPS-1, auch wenn alle Pflichtfächer mit einem Vierer bestanden wurden. Und wer bei diesem freiwilligen Fach durchfällt, der hat dann auch die BHPS-1 nicht geschafft und verliert so auch die Aussicht auf das Leistungszeichen BHPS-G.

Nun waren unsere Hundeführer mindestens genauso wesensfest und mutig wie die Teckel selbst, und so hat sich keiner vor dem Risikofach "Vorausschicken mit Halt" gedrückt. Und weil unsere Hunde entweder so gut eingearbeitet waren oder wenigstens wussten, um was es ging, haben auch alle eine gute bis hervorragende Leistung gezeigt. Zwar sind zwei der Gespanne durch die Teilnahme an diesem Fach leider um eine Preisklasse heruntergedrückt worden, dies hatte allerdings, wie sich am Ende der Prüfung herausstellte, keine Auswirkung auf die Platzierung und ist den beiden daher nicht zum Nachteil geworden.

Nachdem also nun die BHPS-1 beendet und alle noch im Rennen waren, ging es zum zweiten und dritten Teil, dem "Suchen auf der Fremdspur" und der "Freiverlorensuche mit Bringen" hinaus auf Felder und Wiesen.

Beim Suchen auf der Fremdspur - die Spuren wurden alle vom Richterassistenten Alexander Griesbach getreten - erlebten wir, dass die beiden im praktischen Jagdbetrieb aktivsten Hunde - beide mit reichlich Erfahrung und bester Leistung auf der künstlichen und natürlichen Rotfährte - die größten Probleme mit der Fremdspur hatten. Offensichtlich waren beide Hunde so sehr auf die Schweißarbeit eingestellt, dass sie auch auf der eher ungewohnten Fremdspur immer wieder nach den für die Rotfährte typischen Düften suchten und dabei dann die Spur eher unsicher arbeiteten, was zu Punktabzug und bei einem der beiden Gespanne, das am Ende leider nur einen der drei ausgelegten Verweiser vorzeigen konnte, zum Nichtbestehen des 2. Teils führte. Die übrigen Teckel konnten überzeugen - und dann ging es zum 3. Teil, der "Freiverlorensuche mit Bringen".

Bei der Freiverlorensuche mit Bringen zog der Richterassistent Alexander Griesbach einen vom Hundeführer gestellten Apportiergegenstand über eine Strecke von gut 200 Metern mit zwei Haken hinter sich her. Dann wurde der Hund am Beginn der Schleppe angesetzt, er sollte dann die Spur bis zum Apportel arbeiten, das Apportel aufnehmen und zum Hundeführer zurückbringen. An diesem dritten Teil nahmen nur sechs der sieben Gespanne teil - eine Teilnehmerin verzichtete auf diese Teilprüfung, da ihr Teckel schon beim Üben immer viel lieber das Weite wie denn das Apportel gesucht hatte und sie nicht das Risiko eingehen wollte, ihrem Teckel die Möglichkeit zu einem ungewollten Freilauf über die Mötzinger Felder zu geben.

Von den übrigen sechs Hunden kamen dann aber leider nur noch drei Teckel in die Preise - zwei Teckel erhielten einen ersten Preis mit leichtem Punktabzug beim Bringen, weil sie das Apportel nicht direkt aufgenommen und zurückgebracht haben. Ein Teckel zeigte eine überragende Leistung mit voller Punktzahl - und den drei anderen wurden leider widrige Umstände zum Verhängnis. Wie dicht Prüfungsglück und Prüfungspech beieinander liegen und wie wenig Einfluss man letztlich auf nicht absehbare Widrigkeiten haben kann, die auch bestens vorbeiteten Hunde zum Verhängnis werden können, mögen die folgenden Schilderung des Pechs der drei Gespanne sein, denen ein positives Ende der dritten Teilprüfung nicht vergönnt war:

Da lag - zwar ziemlich weit abseits der Spur, für eine Teckelnase aber noch deutlich zu riechen - ein toter Vogel. Und als die kleine Rauhhaar-Hündin diesen - für Hunde wohl unwiderstehlichen - Duft in die Nase bekam, hatte sie keinen größeren Wunsch mehr als sich genüßlich im stinkenden Aas zu wälzen und sich so das Fell zur Freude ihres Führers zu parfümieren. Leider blieben auch alle weiteren Versuche, die Hündin weitab des toten Vogels anzusetzen und zur Aufnahme des Apportels zu bewegen, erfolglos. Es zog die Hündin immer wieder weit weg von der Spur hin zu der für Hundenasen so verführerisch duftenden Quelle des Hundeparfums. Wie gut, dass der Hundeführer, dessen Verständnis von Wohlgeruch diametral zu dem seiner Hündin stand, in nur geringer Entfernung im Nachbarort wohnt und so schnell nach Hause fahren konnte, um seiner Hündin ein Bad zu gönnen, durch welches dann der für menschliche Nasen wieder angenehmere Geruchszustand eines unparfümierten Dackels wieder hergestellt wurde.

Dem zweiten Hund wurde dann sein Jagdtrieb zum Verhängnis. Zwar arbeitete der Hund noch bestens auf der Schleppspur und nahm auch das Apportel auf, dann aber muss der in ziemlicher Entfernung stehende Maisschlag eine derart magische Anziehungskraft ausgeübt haben, dass die Hündin ihre eigentliche Aufgabe vergaß und sich zielstrebig dem Mais zuwandte. Leider blieben dann auch weitere Versuche, den Hund neu anzusetzen, erfolglos.

Auch der dritte Hund, ein gestandener Teckelrüde, arbeitete die Spur bis hin zum Apportels noch bestens. Dann aber besann sich der Dackel wohl seines eigentlichen Zuchtzieles - schließlich ist der Dackel kein Apportier-, sondern ein Erdhund. Und um dieses denn auch klarzustellen, wandte er sich einer in der Nähe der Spur befindlichen von Mäusen angelegten Öffnung der Erde zu, die er mit einer teckeltypischen Hartnäckigkeit und Ausdauer so zu verbreitern versuchte, um dann einzuschliefen und sich danach vielleicht mit den hinter dem Loch vermuteten Mäusen eine Extra-Portion Frischfleisch einverleiben zu können. Da die Erdarbeiten nun gerade in dieser Situation nicht das Verständnis des Führers fanden und auch von der Richterin nicht goutiert wurde, machte man den Versuch, den Hund abzutragen und weit entfernt von seiner Baustelle wieder neu anzusetzen - in der Hoffnung, dass sich dieser seiner eigentlichen Aufgabe wieder zuwenden würde. Diese Hoffnung erfüllte sich dann aber nicht, denn der Rüde suchte mit gleicher Zielstrebigkeit sein Mauseloch wie vorher die Hündin ihren toten Vogel.

Nach dem - für die einen mehr, für andere weniger - erfolgreichen Ende des dritten Teils ging es dann zurück ins Vereinsheim, wo bereits ein von der Wirtin angerichtetes leckeres warmes Buffet auf die Teilnehmer wartete. Während und nach dem Mittagessen wurde von den Teilnehmern die Prüfung und die Leistungen der Hunde diskutiert und die noch gezeigten Schwachstellen des eigenen Hundes gewürdigt. In dieser Zeit hatte das Prüferteam bestehend aus der Richterin Ursula Griesbach, dem Richterassistenten Alexander Griesbach und dem Prüfungsleiter Alfons Winzenhörlein alle Hände voll zu tun, die Ergebnisse auszurechnen, die Fülle der erforderlichen Formulare und Urkunden auszufüllen und die Platzierungen festzustellen.

Bei der sich dann anschließenden Preisvergabe lobte die Richterin die gezeigten Leistungen der Hunde, die sich trotz vereinzelter Schwächen auf einem durchgängig hohen Niveau befanden, was auch das Gesamtergebnis der Prüfung zeigt. So konnten zwar nur zwei Teckel mit einer erfolgreichen Gesamtprüfung BHPS-G abschließen, aber auch alle übrigen fünf Gespanne haben neben der BHPS-1 jeweils der der beiden anderen Teilprüfungen mit Erfolg abgelegt. Die Einzelergebnisse sind hier zu finden.

Der Dank der gesamten Gruppe gilt der Richterin Ursula Griesbach für ihr faires und gleichermaßen strenges wie wohlwollendes Richten, dem Richterassistenten Alexander Griesbach für seine tatkräftige Mithilfe und nicht zuletzt dem Prüfungsleiter Alfons Winzenhörlein - einerseits für die Organisation der Prüfung, ganz besonders aber für die hervorragende Vorbereitung der Gruppe auf diese anspruchsvolle Prüfung.

Weitaus bemerkenswertes als das Ergebnis der Prüfung ist aber der Weg, wie diese Prüfung zustande kam: Alle sieben Hundeführer - und sechs der geprüften Hunde - haben ab April 2007 den damals zum ersten Mal als gemischten Jagd- und Begleithundekurs angebotenen Hundeführerlehrgang der Sektion besucht. Das gemeinsame Arbeiten, der Spass beim Üben, dann der gemeinsame Prüfungserfolg und die hervorragende Stimmung in der Gruppe schweißt zusammen, und so kam schon frühzeitig der Wunsch von Seiten der Teilnehmer auf, gemeinsam weiterzuarbeiten und neue Ziele anzuvisieren. War die BHPS zu Anfang des Jahres noch bloß wage beabsichtigt, so wurde im Frühjahr bei Beginn des Hundesführerlehrgangs schnell klar, dass die letztjährige Gruppe nicht nochmal den alten Stoff wiederholen, sondern neues und bisher unbekanntes ausprobieren wollte. Und so lief dann parallel zu dem von Erich Lörcher und Peter Niethammer geleiteten Jagd- und Begleithundekurs der BHPS-Kurs unter der Leitung des stellvertretenden Sektionsleiters Alfons Winzenhörlein, der zusammen mit seinem Xaver vom Egelsee die Gruppe zur BHPS-Prüfung führte.

Nach dem diesjährigen Erfolg der BHPS wird die Sektion auch im kommenden Jahr einen BHPS-Kurs veranstalten, schließlich hat die Begleithundearbeit eine lange Tradition im DWH. Bereits Anfang der 1990er-Jahre war der DWH Vorreiter in Sachen Begleithunde, damals wurde die im DWH unter Federführung unseres damaligen Präsidenten Gottfried Kraft konzipierte Begleithundeprüfung in die DTK-PO aufgenommen. Und gute zehn Jahre später wurde dann von Gottfried Kraft mit Hilfe zahlreicher freiwilliger Hundeführer aus der BHP auch die "zweite Stufe", die erschwerte Begleithundeprüfung, entwickelt, die dann im Jahr 2005 ebenfalls in die Prüfungsordnung des DTK aufgenommen wurde.

Wolfgang Herresthal             Fotos: Alexander Griesbach


 

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