DWH - Der Zuchtverband für den edlen, formvollendeten und jagdlich brauchbaren Dachshund

Start Aktuelle Berichte - Berichte bis 2005


Drucken
Donnerstag, 31.12.1998

Unser Landeszuchtwart Dr. med. vet. Herbert Meyer informiert:

Die Zuchtwertschätzung

Seit einiger Zeit wird der Begriff "Zuchtwertschätzung" in für die Zucht von Rassehunden zuständigen Gremien und interessierten Kreisen zunehmend diskutiert. Im folgenden soll versucht werden, diesen Begriff zu erläutern.

Zuchtwertschätzungen oder Körungen sind schon seit langer Zeit ein für die Zucht landwirtschaftlicher Nutztiere unabdingbares Instrument um die Zucht auf ein hohes Niveau zu bringen und dieses zu erhalten.

Obwohl die Interessen der Rassehundezüchter auf einer ganz anderen Ebene als die Züchterinteresse der Landwirtschaft liegen, gibt es doch Gemeinsamkeiten. Beide Züchtergruppen müssen bemüht sein, ihr "Produkt", nämlich das gezüchtete Tier in möglichst hoher "Qualität" zu "erzeugen".

Jeder verantwortliche Züchter weiss, daß für die Zucht mehr benötigt wird, als der "Formwert". Während die Züchter von Gebrauchshunden eine vergleichsweise gute Basis haben, ihre Zuchtauswahl zu treffen, wenn sie die Leistung und den Formwert ihrer Zuchthunde berücksichtigen, ist die Zucht rein nach dem "Aussehen" (Phänotyp) jedoch problematischer. Es müssen weitere Informationen beschafft werden und diese Informationen sind manchmal nur schwer zu bekommen. Man muß entweder Stammbücher, Formwertberichte, Gesundheits-/Krankheitsbefunde wälzen - ein sehr zeitaufwendiger und mühevoller Weg - oder sich auf Gespräche mit anderen Züchtern/ Hundehaltern verlassen - ein Weg nicht frei von Gefühlen und Emotionen.

Eine richtig durchgeführte "Zuchtwertschätzung" kann diesen Weg erheblich vereinfachen und objektivieren.

Datensammlung

Wichtig für die Zuchtwertschätzung ist das Sammeln von Daten. Diese Daten sind sowohl durch die Beurteilung von Merkmalen eines Hundes, als auch durch Auswertung von Informationen über Wurfabnahme, Richterberichten von Ausstellungen und Leistungsprüfungen, Gutachten, Rückmeldungen (z.B. Krankheiten der Hunde) zu erheben.

Unbedingt benötigt werden Daten über Zuchttauglichkeitsprüfung und Gesundheits­untersuchungen.

Dabei sind die Daten der Hunde besonders wichtig, die bei der ersten "Vorstellung" des Hundes, der Zuchtschau erhoben werden können. Hunde, bei denen bei dieser Beurteilung Zahn-, Ruten- oder Hodenfehler gefunden werden oder die ein auffallend ängstliches Verhalten zeigen oder sonstwie negativ beurteilt werden müssen, werden mit Sicherheit nicht wieder vorgestellt werden. Gerade diese Daten sind aber für einen Zuchtverein außerordentlich wichtig und müssen auch den Züchtern verfügbar sein!.

Wichtig ist die Festlegung von Merkmalen durch den Zuchtverein. Dies können sowohl erwünschte als auch unerwünschte Merkmale sein. Diese Merkmale sollten, wenn notwendig problemlos austauschbar sein. Weiterhin müssen die Merkmale, nach denen beurteilt wird auch gewichtet sein ( z.B. Teckellähme, Ellenbogendysplasie, Epilepsie, aber auch Wesen und Verhalten). Die Beurteilung der Ausprägung eines Merkmales erfolgt anhand einer linearen Beschreibung, wobei die gewünschte Ausprägung eines Merkmales (siehe z.B. Standard) eine mittlere Ziffer bekommt und die Abweichungen jeweils gewichtet werden.

1. Beispiel

      103 negativ auffällig
      102
      101
      100 normal
      99
      98
      97 positiv herausragend

Im negativen Randbereiche kann eine Zuchtsperre erfolgen oder die Zucht nur mit Auflagen erlaubt werden. Es darf also nur mit Hunden gezüchtet werden, wenn eine bestimmte Ziffer erreicht oder überschritten worden ist.

2. Aufarbeitung des Datenmateriales

Zur Auswertung des Datenmateriales muß eine neutrale Stelle gefunden werden, um die Gefahr des direkten "Betroffenseins" möglichst auszuschließen.

3. Veröffentlichung der Daten der Zuchtwertschätzung

Für die Veröffentlichung der Daten ist das Stammbuch des DTK bestens geeignet. Es steht jedem Mitglied auf Anforderung zur Verfügung, hat auch heute schon eine nicht zu überschätzende Bedeutung bei der Suche nach Informationen und würde durch diese Zuchtwertschätzung noch erheblich an Information gewinnen.

4. Umsetzung der Zuchtwertschätzung

Die Zuchtwertschätzung ist immer eine Schätzung aufgrund bekannter Informationen. Eine Schätzung kann - wie der Name ja schon sagt nie 100%ig sein. Die Genauigkeit der Schätzung wird aber mit der Anzahl der vergleichbaren Daten zunehmen. Zumindest am Anfang kann die Zuchtwertschätzung also nur eine "Risikoverringerung" für die Zucht darstellen.

Die Zahlen der Zuchtwertschätzung helfen dabei, festzustellen, ob eine Paarung relativ "gefahrlos" durchführbar ist. Es kann durch sie möglich werden, durch Auswahl des entsprechenden Partners, die vorhandenen Mängel eines Hundes auszugleichen oder gewünschte Merkmale zu verstärken.

Es ist dabei ersichtlich, daß bei abnehmender "Qualität" der Hündin die Auswahl passender Rüden immer enger werden wird.

Wohl mit einer der größten Vorteile einer Zuchtwertschätzung währe meines Erachtens der Verzicht auf den Einsatz sogenannter "Spitzenrüden", der zwangsläufig die sowieso schon enge genetische Basis unserer Rassehundezuchten noch weiter verengt. Wenn der Züchter die Ausprägung der Merkmale von Hündin und Rüden vergleichen kann, wird er feststellen, daß auch andere Hunde wertvolle Merkmalsträger sind , deren Merkmalskombination oftmals besser zu seiner Hündin paßt.

 

© 2009-2012 Dachshundklub Württemberg und Hohenzollern 1895 e.V. - Concept+Design © 2009-2012 by Mephisto