Internationale VP in Neuenstein 2002
Die Freuden und Leiden eines Gebrauchshundeführers
Bestimmt hat sich der eine oder andere Leser mit folgender Frage beschäftigt: „Wie kann ich ein erfolgreicher Gebrauchshundeführer werden ?“. Die wichtigste Voraussetzung ist natürlich ein Teckel mit Jagdpassion, was meiner zweijährigen Kurzhaarhündin „Panja vom Bernbach“ mit in die Wiege gelegt wurde. Weiterhin sind erforderlich: ein erfahrener Hundetrainer, geeignete Reviere für die Übungen und Prüfungen – an dieser Stelle herzlichen Dank an die Revierinhaber - und eine Gruppe Gleichgesinnter, um auch das sehr aufwendige Legen von Schweißfährten zu ermöglichen. Mit einem so erfahrenen „Hundemann“ wie Heiner Schmierer aus Emmertshof/ Neuenstein und das Umfeld im Hohenlohischen sind diese Voraussetzungen idealerweise gegeben. Natürlich muss das Gelernte mit viel Zeit, Aufwand, Schweiß, Lernbereitschaft und Selbsterfahrung in die Praxis umgesetzt werden.
In der für den 05. und 06. Oktober 2002 in Neuenstein angesetzten „Internationalen Vielseitigkeitsprüfung“ - die Krönung aller Gebrauchshundeprüfungen- sollten wir das Können der Teckel und Hundeführer unter Beweis stellen. Unter der Obhut des Prüfungsleiters Edgar Bast wurden vom Richterkollegium Klaus Sommer, Nürnberg, Willi Hähnle, Ittlingen, Gottfried Kraft, Wüstenrot und Richteranwärter Rainer Rettenmaier die Startformalitäten vorgenommen. Nach traditionellem Jagdhornblasen ging es dann zur Prüfung in das sehr wildreiche Revier vom Forstamt Schöntal. Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit – es hatte in der Nacht viel geregnet und es war „dampfig“, starteten 5 Hunde mit der Prüfung. Mit Startnummer 4 begann dann auch für mich die Aufregung, denn die ersten drei Gespanne kamen bei der Schweißarbeit durch Abrufe leider nur auf den III. Preis.
Ich verließ mich auf die Tipps von Heiner Schmierer, vertraute voll meinem Hund und half nur durch das Kommando „Such Verwund“. Meine Panja fand zielstrebig das Stück und erhielt volle Punktzahl. Der zweite Prüfungsteil hieß „Gehorsam“. Ab diesem Zeitpunkt begann das große Zittern, denn im Gegensatz zur Begleithundeprüfung, die meine Panja im September erfolgreich absolvierte, muss der Teckel ohne Sichtkontakt zum Führer fünf Minuten „abgelegt“ werden. Diese Anpassung kostete im Vorfeld der Prüfung viel Zeit und Nerven. Bei einem Risiko von 50 % „klebte Panja am Kittel“ und machte sehr gehorsam Platz. Leinenführigkeit und Schussfestigkeit waren kein Problem, so dass wir auch diesen Prüfungsteil als bestanden abhaken konnten.
Nach der wohlverdienten Mittagspause unter Sonnenschein – das Team unter der Leitung von Frau Ingrid Schmierer hatten sehr köstliche Maultaschen zubereitet – ging es ins Revier zu dem Prüfungsteil „Stöbern“. Hierbei stellten sich als Nachteil die fehlenden Übungsmöglichkeiten für mich als Nichtjäger heraus. Meine Panja löste sich für einen ersten Preis nicht ausreichend vom Führer, aber für mich ist ein zweiter Preis für diesen Prüfungsteil ein hervorragendes Ergebnis. Da noch ausreichend Zeit war, wurde vom Richterkollegium vorgeschlagen, den letzten Prüfungsteil „Spurlaut“ auch noch am gleichen Tag durchzuführen. Die ganze Korona fuhr zu den Äckern rund um Neuenstein und es galt für die Prüfung geeignete Hasen zu suchen. Dabei dachte ich an den Werbespruch „Meilenweit muss ich gehen ...“ (um einen Hasen zu finden) und an die Erfahrung bei der kürzlichen Spurlautprüfung, wo wir vier Stunden für das Aufstöbern des „letzen“ Hasen benötigten und dieser Hund dann leider doch nicht die Prüfung bestanden hat. Aber bei der Int. VP konnten wir am späten Nachmittag doch noch genügend Hasen „auftreiben“ und alle Gespanne haben diesen Prüfungsteil bestanden. Den „letzten Hasen“ hatte diesmal meine Panja und mit Bravour folgte sie der Hasenspur. Der Hase hatte sich wieder gedrückt und Panja konnte den Hasen mit gutem Laut bis auf 10 Meter Abstand wieder zurück zum Richterkollegium jagen. Dafür gab es natürlich die volle Punktzahl.
Unabhängig von der Int. VP folgte noch der „Wassertest“ – der Teckel holt nach Schusslaut eine Ente aus dem Wasser – und nach 18 Uhr kam dann auch kräftig Wasser von Himmel und die Prüfung war beendet.
Gemütlich konnten sich die Gespannführer und die vielen Helfer zurücklehnen. Das Richterkollegium hatte jetzt die Auswertung der Ergebnisse und Erledigung des umfangreichen aber unabdinglichen „Papierkriegs“ durchzuführen. Mit Spannung wurde dann vom Richterobmann Sommer das Ergebnis verkündet. Drei Hunde erhielten den III. Preis. Mein Übungskollege Dr. Zimmermann aus Schwäbisch Hall erhielt den II. Preis für seinen Teckel und meine Panja wurde mit 264 Punkten - II. Preis zum Tagessieger gekürt. Leider konnte wegen der für einen I. Preis nicht ganz ausreichenden Stöberprüfung kein CACIT–Gebrauchszertifikat- vergeben werden.
Erstmalig wurde der neue Wanderpokal „Internationale Vielseitigkeitsprüfung“ der Sektion Hohenlohe / Franken an mich überreicht. In zwei Jahren geht er an den neuen Tagessieger.
Zum Schluss noch ein Appell an unschlüssige Hundeführer: Die Arbeit mit dem Hund hat das ganze Jahr trotz der aufgewandten Zeit, den Wetterkapriolen, dem Prüfungsstress sehr viel Freunde und eine vertrauensvolle Bindung zu meiner Panja gebracht. Im Jahr 2003 stehen wieder Gebrauchshundeprüfungen an, machen Sie es mir nach. Vielen Dank für Ihr Interesse.
Günter Lemanczyk
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