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Samstag, 01.01.2011

Eine Dachshündin wölft in einem Bau mit Fuchsgeheck

Aus der Zeitschrift "Das Teckele" Nr. 60 vom 07.06.1894, S. 478

 

Und hier für alle, die Probleme mit der Frakturschrift haben:

Eine Dachshündin wölft in einem Bau mit Fuchsgeheck

Ein bekannter Jagdnachbar kam vor einiger Zeit mit dem Ersuchen zu mir, die auf seinem Revier in ziemlicher Anzahl gewölften jungen Füchse mit meinen in der Gegend als sehr scharf bekannten Dachshunden graben zu helfen. Morgens in aller Frühe gingen wir an die Arbeit, und als wir bereits am Bau angekommen waren, bemerkten wir erst, dass außer ei­ni­gen alten und jungen Dachshunden auch eine sehr gute, jedoch hochträchtige schwarze Dachshündin edelster Abstammung auf unserer Fährte nachgekommen war.

Selbstver­ständ­lich wurde die Hündin sofort aufgekoppelt, jedoch wie es zugegangen weiß ich selbst nicht, plötzlich war dieselbe los und auch schon im Bau verschwunden. - Sofort wurde die Hündin mit einem jungen Hunde, welcher noch Lehrling war, laut, und bald da­rauf hörte man, wie die Hunde zusammen einen jungen Fuchs abwürgten. So ging es einem nach dem anderen von dem ganzen Fuchsgeheck, und als endlich alles still war und kein Hund mehr schliefen wollte, hörte man nur noch das Gewimmer anscheinend von jungen Hunden und wie die Hündin einen zweiten Hund, welcher noch im Bau war, wütend an­nahm und zu­rück­trieb. - Meine Ahnung, dass die betreffende Hündin im Fuchsbau gewölft habe, bestätigte sich leider.

Anscheinend lag die Hündin nicht allzu weit in Bau, daher gingen wir sofort an die Grab­ar­beit. Je mehr wir uns aber der Stelle näherten, wo wir die Hündin vermuteten, desto tiefer zog sich dieselbe in den Bau zurück. Die Nacht brach herein und nötigte uns, die Ausgra­bung der Teckelfamilie für diesen Tag aufzugeben. In der Frühe des folgenden Tages begann die Arbeit von neuem. Um durch Verhören das Lager der Hündin ungefähr feststellen zu können, ließ ich einen alten Hund einschliefen. Sobald jedoch ein solcher in die Nähe der Hündin kam, wurde er zurückgetrieben.

Rufen, Pfeifen, Schießen half alles nichts, die treue Mutter von ihren Jungen weg- und herauszulocken. Da dieselbe sich im Gegenteil immer besser zu verklüften suchte, so blieb nichts anderes übrig, als der Hündin den Weg ins Innere abzugraben.

Nach einigen Stunden tüchtiger Arbeit stießen wir zufällig auf den Kessel. Zwischen diesem und dem Einfahrtrohr fanden wir nun zuerst einen abgewürgten jungen Fuchs und dicht da­neben die Hündin mit vier Stück tadellos schönen schwarzen Welpen. - Dieselben sind nun in bester Pflege und werden prächtige Kerle. - Erst in fünf Tagen hätte die Hündin wölfen sollen; ich nehme daher an, dass das Wölfen durch überanstrengung im Bau und infolge der herrschenden heißen Temperatur früher vonstatten ging.

Max Reinhold, Besigheim (Württemberg)

 

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